Neujahrsempfang des Europakomitee Hessen

Am 15.02.2013 folgten der Vorsitzende der dbb jugend hessen Martin Walter und seine Stellvertreterin Julika Eidam der Einladung des Erwachsenenverbands zum Neujahrsempfang des Europakomitees Hessen in die Hessische Staatskanzlei. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der Vorsitzende des Europakomitees Hessen Herr Bundesminister a.D. Friedrich Bohl die Vertreter der hessischen Landesregierung und die anwesenden Gäste. In seiner Begrüßungsrede sprach er davon, dass in der europäischen Öffentlichkeit stetig Kritik an der Europäischen Union geübt werde – über Europas Grenzen hinaus sie jedoch weltweit bewundert werde. An die anwesenden Zuhörer stellte er daraufhin die aus Sicht der dbb jugend hessen mehr als berechtigte Frage: „Aber was wäre die Alternative? – Denn nur durch Deutschland als Teil in Europa wird uns allen Freiheit, Wohlstand und Nachhaltigkeit zuteil!“ Daher sei sein inniges Anliegen als Vorsitzender des Europakomitees Hessen, für die Akzeptanz von Europa in unserer Bevölkerung zu werben und diese nachhaltig zu fördern.

Anschließend sprach Herr Minister der Staatskanzlei Axel Wintermeyer ein Grußwort. In diesem richtete er zunächst den Fokus auf den Bezug der Bürger zu den europäischen Institutionen. In seinen Augen sei es falsch, Europa stets bzw. lediglich auf bürokratisches Handeln zu reduzieren. Vor dem Hintergrund der zahlreichen und zum Teil unverständlich formulierten Richtlinien der Europäischen Kommission könne er allerdings auch die Bürger verstehen, welche den hohen Bürokratisierungsgrad der Europäischen Institutionen kritisieren. In diesem Zusammenhang nannte er als top-aktuelles Beispiel den Vorstoß hin zu einer möglichen Privatisierung von Wasserrechten, welcher bei den Bürgern nicht nur Unverständnis hervor rief, sondern auch zu massiven Protesten führte. Auch er wünsche sich nicht noch mehr Regulierung, sondern “mehr Freiheit in den Herzen”.

Im Folgenden thematisierte er nationalübergreifende Finanz- und Wirtschaftsprobleme  innerhalb der Europäischen Union. Ein gemeinsamer Finanz-, Wirtschafts- und Sicherheitsraum sowie gemeinsame Politik seien maßgeblich, um die aktuellen Probleme zu lösen. Als Beispiel nannte er die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen europäischen Ländern. Für derartige Probleme und diesbezügliche nachhaltige Lösungsstrategien müssten nach seiner Aussage die europäischen Institutionen noch stärker sensibilisiert werden.

Abschließend machte er den Zuhörern bewusst, dass “Europa” schon längst in Hessen angekommen sei, denn derzeit würden bereits Personen aus 196 verschiedene Nationen in Hessen leben. Er bedankte sich bei den Veranstaltern für die wertvolle Arbeit, die durch das Europakomitee in der Vergangenheit geleistet wurde und wünschte auch für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.

Nun trat der Stargast des Abends, Herr EU-Kommissar Günther Oettinger, an das Rednerpult. Herr Oettinger wählte für seine Rede einen geschichtlichen Ansatz. Zunächst ging er darauf ein, dass Europa erst “als Lehre” aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei. Aber nach seiner Auffassung hätten wir als Europäer auch einen zukünftigen gemeinsamen Vorsatz bzw. Auftrag im Licht der geschichtlichen Entwicklung – und zwar den Werteexport! Dies machte er an zahlreichen sehr bildhaften Beispielen, gerade im Hinblick auf den “Arabischen Frühling”, deutlich. In diesem Zusammenhang ging er im Weiteren auf die Begrifflichkeiten Toleranz, Liberalität, Sozialstaat, Menschenwürde und Rechtsstaat ein. Europa könne seine Stärke und Autorität gegenüber anderen Staaten nur als “Team” ausdrücken. Dies zeige sich auch an der globalen wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen (Groß-)Nationen. Während die wirtschaftliche Dynamik und das Wachstum außerhalb von Europa stets zunähme, sei in Europa selbst ein gegenteiliger Trend zu verzeichnen. Nähme man zusätzlich noch die demographischen Entwicklungen in den Fokus, sei Europa bald eine Randfigur, wie derzeit Alaska auf der Weltkarte. Europa müsse auch zukünftig mit seiner Stärke, der Vielfalt, gegenüber anderen Nationen punkten, um die derzeitige wirtschaftliche und politische Bedeutung in der Welt zu behalten.

Im Anschluss an die Veranstaltung nutzten Martin Walter und Julika Eidam die Gelegenheit, mit dem einen oder anderen Redner persönlich ins Gespräch zu kommen. Unser Resümee:Alles in allem, eine interessante und gelungene Veranstaltung des Europakomitees Hessen.

Für alle Interessierten passend zum Thema und von uns besonders empfohlen: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2013/02/130222-Europa.html

2015-01-25T17:37:47+00:00

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